„Lass einfach los“ ist mir zu einfach daher gesagt. Wenn’s denn so einfach wär.

In den letzten Tagen habe ich verschiedentlich über das Los-lassen gelesen. Es ist Sommer- und Ferienzeit. Zeit zum Los-lassen? Grundsätzlich stimme ich ja zu: Es braucht eine Aus-Zeit, eine Pause, auch mal Stillstand, damit man auch mal mental Platz schafft und auf neue Ideen kommt.

Sicher kennen Sie auch so gut gemeinte Ratschläge wie: „Lass einfach los.“ „Iss halt weniger“. „Hör einfach auf damit“. „Trenn Dich von Deinem Alten, was willst Du noch von ihm? Mach einfach Schluss!“ „Kündige! Woran hältst Du fest? Mach’ Dich selbständig!“  Und so weiter … ich verdrehe die Augen.

ICH KANN’S NICHT MEHR HÖREN!

Ich finde, los-lassen hat etwas mit Verzicht und Veränderung zu tun. ES IST GANZ SCHÖN KOMPLEX und geht mal eben nicht von heute auf morgen. Jeder hat da seine ganz eigene Art und Weise. Und im Urlaub los-lassen? Der Urlaub ist fürs Entspannen da, fürs Nichts-tun oder um Neues auszuprobieren. Auch mal um keine Entscheidungen zu treffen.

Um die Komplexität deutlich zu machen will ich mal eine Übersicht geben, an was man alles denken muss und wie eines ins andere greift, wenn man vom Los-Lassen spricht.

Was will man los-lassen? Ich habe mal eine Liste beispielhaft geschrieben. Es gibt in unserem Alltag und Sprachgebrauch Dinge, die sind typisch, um los-gelassen zu werden:

– Verpflichtungen, die einem zum Hals raushängen
– manchmal ein unzufriedener Partner, der immer herumkritisiert
– Gerümpel und anderes Sammelsurium
– eine Arbeitsstelle, die einem viel Energie nimmt
– Internet, Facebook und Co.
– eine ewig jammernde Freundin
– ein zweites Standbein
– das Ehrenamt, das zu viel Zeit frisst
– Schokolade oder Kuchen am Abend genascht 
– die Selbständigkeit, das Büro, die Bürogemeinschaft

Die Liste ist unvollständig und zeigt auch nur wieder Allgemeinplätze auf. Jede und jeder hat sein ganz eigenes Thema, das los-gelassen werden will. Das ist sehr individuell und ganz persönlich.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Es gibt ihn! Nur ist der eben je nachdem, worum und UM WEN es geht, nicht für jeden der gleiche.

Wann weiß ich dass es der richtige Zeitpunkt ist? Wann ist die Zeit reif? Und welchen Sinn macht es, an etwas zu hängen und festzuhalten?

Wer ist eigentlich von MEINEM Los-lassen betroffen? Und wie gehe ich mit dem Konsequenzen und Reaktionen um?

Wie gehe ich mit mir um, wenn ich mir unsicher bin, ob es gut ist, etwas loszulassen oder sogar Angst davor habe?

Welche Vor- und Nachteile hat es, mir ein Hintertürchen offen zu lassen?

Loslassen hat sehr viel mit Verzicht zu tun. Wie kann man sich dessen klar werden, worauf man verzichtet und was man gewinnen kann? Meines Erachtens braucht es eine Alternative für das Losgelassene. Erst dann kann etwas enden. Zuerst müssen Verpflichtungen reguliert und Prioritäten gesetzt werden.

Da hilft eine sinnvolle Pro- und Contraliste mit Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man etwas loslassen will.

Und wie steht’s eigentlich mit den eigenen Los-lass-Qualitäten?

Um also etwas los-lassen zu können braucht es

– Zeit und andererseits

– eine Alternative. Eine Alternative, die überzeugt und auch vom Herzen mitgetragen wird!

Vielleicht haben Sie sich beim Lesen wieder erkannt. Ich hoffe, ich konnte Sie ein bisschen trösten, wenn es mit dem Los-lassen nicht so gut klappt. Denn wie Sie sehen, verstecken sich ganz schön viele verschiedene Aspekte dahinter.

Ich werde deshalb in loser Folge auf die einzelnen Punkte, die ich hier aufgezählt habe, in den kommenden Sommerwochen eingehen. Ich frage mich gerade, in wieweit das eigene Lebenstempo das Los-lassen beschleunigt oder ausbremst? 

Haben Sie eine Idee?

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